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Presse
Musikalische Pracht
Fränkischer Tag, Bamberg der 23.12.09 Rezension Fränkischer Tag, BambergWas für ein Glanz, was für ein Strahlen
Weihnachtskonzert des Universitätsorchesters
Bayreuth; Von Frank Piontek
Was für ein Glanz! Was für ein Strahlen! Gloria in altissimis Deo, der Chor bricht aus in ein Jubilieren sondergleichen, und am Ende wird es heißen: Des freuet sich der Engel Schar. Dabei klingen sie, die Sänger, selbst wie Engel: der Bamberger Kaiser-Heinrich-Chor und der Chor des Bayreuther Richard-Wagner-Gymnasiums. 100 Mann hoch, genauer: eher 100 Frauen hoch stehen sie da, in gewaltiger Reihe. Dass sie tiefschwarz gekleidet sind, verwirrt eher, denn hier gilt es kein Requiem zu singen, sondern die Geburt des „Herren“ anzukündigen und IHN selbst, in der vokalen Art der Seraphim und Cherubim, zu preisen.
Zu hören war’s, und es war sehr schön, sehr hell zu hören noch in den Turba-Chören des erregten Gottesvolkes, zu hören also war’s in der St.-Hedwigs-Kirche, in unserer St. Madeleine, denn Camille Saint-Saëns’ Weihnachtsoratorium – ein einziger Lobpreis des Herren, der da kommen wird und überwältigen die „Heiden“–, dieses Werk wurde 1858 in der neu eröffneten Pariser Modekirche aus der Taufe gehoben.
Es stimmt schon, was der Komponist über die Kirchenmusik, auch über seine Kirchenmusik sagte: „Die Religionen sind eine wunderbare Inspirationsquelle für Kunst und Literatur; damit diese Quelle fließe, bedarf es nicht des Glaubens.“ Zusammen mit dem Symphonieorchester der Universität, das den Saint Saëns unter Florian Mehling spielt – und gut, tonrein, animiert spielt –, bringt man ein jenseits von Glauben und Unglauben inspiriertes Oratorium in den gewaltigen archaisierenden Raum, in eine der schönsten, markantesten Bayreuther Kirchenbauten. Wer da nicht Lust bekommt, Katholik zu werden …
Vornehmlich hell ist der zumal aus jungen Frauenstimmen (und aus wenigen, aber mächtigen Bassstimmen) zusammengesetzte Klang-Körper des Chors, und samtdunkel der Alt von Elisabeth Mehling, der neben dem Solosopran Petra Schlossers im guten Solistenquartett am meisten auffällt. Weihnachten ist auch ein Fest der Kontraste: zwischen Hell und Dunkel, Kerzenschein und Winterkälte; tönt das Gloria wie ein später Nachfahre von Händel, so die Tenorarie über den wahren Glauben schlicht und schön nazarenisch. Im Prinzip Duett, akzentuiert vom gelegentlichen, beglückenden Ein-Klang, erfüllt sich manch musikalischer Traum: wenn Sopran und Bariton nur von Orgel und Harfe begleitet werden. Schade, dass das Programmheft den Namen der wichtigen Instrumentalsolistin verschweigt, denn auch die wolkige Atmosphäre eines „Tecum principium“ wäre ohne sie nicht möglich. Fülle des Wohllauts, mit Tremolo und Geigenglanz – eine Fülle, die ihre Fortsetzung unter Helmut Mehlings Leitung findet in Mendelssohns Choralkantate „Von Himmel hoch“: mit typisch Mendelssohn’schen Auflichtungen, mit Posaunenchoral und ätherischem Sopransolo, im Ganzen einer schönen, fast inbrünstigen Orchesterleistung, von den jubilierenden Flöten (Susanne Hellmuth, Christiane Koch, Elena Konrad) zum exzellenten Bassfundament (Ludwig Berner, Ulrike Eberle). Wer da nicht Lust bekommt, Protestant zu werden …
Im Prinzip Duett erfüllt sich nicht jeder musikalische Traum. Nehmen wir’s humoristisch, denn die beiden Fagotte klingen zusammen wirklich komisch. Als Einlage bringt man, unter Leitung des Orchesterchefs Albert Hubert, gewaltig viele Noten aus der „Wiener Klassik“, also den ersten Satz des Konzerts für zwei Fagotte und Orchester von Johann Baptist Vanhal: eine hübsche, unkompliziert vor sich hin näselnde, bedeutungslose U-Musik, die, orchestral nicht recht rein intoniert, seltsam quer steht zu den umrahmenden Großwerken einer inspirierten Weihnachtsmusik. Weihnachten ist auch ein Fest der Kontraste und ein Fest der Liebe, nehmen wir also die Einlage als das, was sie gemeint war, als Überleitung zwischen zwei erfüllt musizierten Werken: im Zeichen des engelischen Weihnachtsglanzes.
Hintergrund
Der Kaiser-Heinrich-Chor ist ein gemischter Chor, der seit 1992 besteht. Ihm gehören rund 50 Sänger und Sängerinnen an, der Großteil aus dem Raum Bamberg. Gesungen wird anspruchsvolle, geistliche und weltliche Chorliteratur.
Nordbayerischer Kurier, Bayreuth der 21.12.09















